Chronik

Die Stifterin Anni Gruber

Nach dem Suizid ihres einzigen Sohnes gründeten Hans und Anni Gruber im Jahr 1994 eine Stiftung mit dem Zweck psychisch kranken Menschen und deren unmittelbar betroffenen Angehörigen zu helfen. Als Stiftungsgrundstock investierte das Ehepaar Gruber Teile seines privaten Vermögens und ein großes Grundstück in München. Hier im Stadtteil Berg am Laim entstand mit Hilfe von zusätzlichen Mitteln aus dem sozialen Wohnungsbau eine schöne Wohnanlage mit 55 Einheiten verschiedener Größe, wobei 31 Einheiten für betreutes Wohnen von psychisch Kranken reserviert sind. Diese Wohnungen sind zurzeit an einen psychosozialen Hilfsverein vermietet, der sie an ehemalige Patientinnen und Patienten untervermietet und deren Betreuung sicherstellt. Gleichzeitig bezuschusst die Stiftung psychosoziale Institutionen und Organisationen, die dem Stiftungszweck entsprechen.  Eine Herzensangelegenheit war Anni Gruber aber immer die konkrete Hilfe für unmittelbar Betroffene. So unterstützte sie ganz bewusst die sogenannten Angehörigengruppen. Zudem ermöglichte sie den oft schwer Traumatisierten einen Kur-und Erholungsurlaub in Bad Griesbach im Rottal. Bis kurz vor ihrem 90. Geburtstags begleitete sie diese Gruppen noch persönlich. Seit Gründung der Stiftung leitete sie mit großem persönlichen Einsatz, aber stets bescheiden im Hintergrund bleibend, die Geschicke ihres Lebenswerks mit Umsicht und der Unterstützung ihres Stiftungsrates. Durch das vor allem in Immobilien angelegte Stiftungskapital schuf die Gruber Stiftung nicht nur Wohnraum für psychisch Kranke, sondern es wurde gleichzeitig ein solides Vermögen gebildet, das nachhaltig dem Stiftungszweck dient: Psychisch kranken Menschen und ihren unmittelbar betroffenen Angehörigen konkrete Hilfe anzubieten. Anni Gruber wurde für ihr beeindruckendes und nachhaltiges soziales Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Aus Altersgründen hat sich Anni Gruber zwischenzeitlich aus dem operativen Geschäft der Stiftung zurückgezogen und diese dem Stiftungsrat übergeben. Die Stiftung wird zurzeit neu organisiert und in die Zukunft geführt. So gilt es zum Beispiel weitere Immobilien aus einer großzügigen Zustiftung von Frau Gruber dem Stiftungszweck zuzuführen, die bestehenden Immobilien baulich instand zu halten und damit die Möglichkeit des betreuten Wohnens von psychisch Kranken auszuweiten. Die Angehörigenarbeit soll intensiviert und die Weiterführung der Urlaube von betroffenen Angehörigen garantiert werden. Und natürlich sollen auch weiter Organisationen und Institutionen, die dem Stiftungszweck entsprechen, finanziell unterstützt werden.

Im Jahr 2019 kann die Stiftung stolz auf ein Vierteljahrhundert zurückblicken in denen sie vielen Menschen verlässliche und konkrete Hilfe zuteilwerden ließ, und deren schweres Schicksal erträglicher gestaltete. Es bleibt eine besondere Leistung von Frau Anni Gruber dass sie ihr eigenes Los zum Anlass nahm, anderen zu helfen und nicht in Resignation zu verfallen.

Nachruf auf Anni Gruber

Anni Gruber kam am 23.01.1924 in Graßlfing bei München als älteste von drei Schwestern zur Welt.

Diese Zeit nach dem 1. Weltkrieg war von vielen Entbehrungen geprägt. So nähte und strickte die junge Anni und sparte, wo es nur ging, um sich und ihre Familie mit durch diese schwere Zeit zu bringen. Hier entwickelte sich wohl auch eine der sie auszeichnenden Eigenschaften, ihre große Bescheidenheit und ihre zutiefst humanistische Gesinnung.

Im Jahr 1953 heiratete sie Hans Gruber. Als 1955 der gemeinsame Sohn Hans geboren wurde, gab sie ihre Stelle als Kauffrau bei der Industrie- und Handelskammer auf.

Mit großer finanzieller Anstrengung kaufte das Ehepaar Gruber ein sehr Grundstück aus einer Erbengemeinschaft der Familie Gruber an der Josephsburgstraße und baute dort ein Haus für die junge Familie. Es hieß also wieder eisern sparen und bescheiden leben.

Leider wurde ihr gemeinsamer Sohn Hans psychisch schwer krank. Mutter Anni unterstützte ihr Kind in jeder Hinsicht und begann sich mit dem Thema von Selbsthilfegruppen zu beschäftigen. Hier lernte sie auch den jungen Assistenzarzt Dr. Albrecht Egetmeyer kennen, der Hans behandelte und der bis 2022 im Vorstand der später gegründeten Stiftung mitwirkte.

Im Alter von 25 Jahren verstarb ihr Sohn auf sehr tragische Weise durch Suizid. Doch statt in tiefe Verzweiflung zu versinken, gründete Anni Gruber eine „Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen“ und begann sich auf diesem Gebiet zu engagieren, so wurde sie ein Gründungsmitglied des Landesverbandes „Angehöriger psychisch Kranker“ (APK).

Schließlich rief im Jahr 1994 das Ehepaar Hans und Anni Gruber die „Gruber Stiftung“ ins Leben. Die Stiftung hat den Zweck, psychisch erkrankte Menschen und vor allem auch deren Angehörige zu unterstützen.

So richtete Anni Gruber zum Beispiel alljährlich den sog. Angehörigenurlaub ein, in dem die oft am Ende ihrer Kräfte angelangten Eltern und Angehörigen zwei Wochen Urlaub auf Kosten der Stiftung in Bad Griesbach machen konnten, um etwas Abstand von den Belastungen des Alltags zu bekommen.

Frau Gruber begleitete diese Gruppen immer persönlich, es war ihr eine Herzensangelegenheit. Hier zeigte sich wie einfühlsam sie als ehemals Betroffene die Probleme und Kümmernisse verstand.

In dieser Zeit der Stiftungsgründung lernte das Ehepaar Prof. Dr. Rolf Kyrein kennen, der auf Grund seiner beruflichen Erfahrung vorschlug, auf dem Grundstück an der Josephsburgstraße mit einem öffentlichen Baudarlehn eine Wohnanlage zu errichten. Es war der ausdrückliche Wille der beiden Stifter, dass ein Teil der Anlage von psychisch Kranken im Rahmen eines Projekts für ‚Betreutes Wohnen‘ bezogen werden sollte. Die Verwaltung dieser Wohnungen wurde dem „Verein Soziale Dienste“ übergeben, der auch heute dafür sorgt, das psychisch erkrankte Menschen nicht in den Teufelskreis von Wohnungs- und Arbeitslosigkeit geraten, indem er die Wohnungen der Gruber Stiftung an psychisch Kranke vergibt.

Leider verstarb Hans Gruber im Jahr 1998. Anni Gruber war nun alleine. Mit bewundernswerter Kraft und Ausdauer und sehr selbstständig führte sie die Stiftung weiter. Sie konnte sich dabei auf die Mitglieder des Stiftungsrats wie Dr. Egetmayer, Prof. Kyrein, und die Leiterin des Vereins Soziale Dienste, Frau Portenlänger-Braunisch absolut verlassen. Klar war aber immer, dass sie als Vorsitzende die Entwicklung der Stiftung selbst festlegte und auch bestimmte, wer unterstützt werden sollte.

Im Jahr 2000 wurde ihr unermüdlicher Einsatz, ihr Verständnis für all die Probleme von psychisch erkrankten Menschen und deren Angehörigen – mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt.

Aus gesundheitlichen Gründen zog sie sich im Alter von 92 im Jahr 2016 aus der aktiven Stiftungs-Arbeit zurück – nicht ohne dafür gesorgt zu haben, dass die Stiftung weiter in ihrem Sinne durch die langjährigen Stiftungsräte Dr. Egetmeyer und Prof. Dr. Kyrein geleitet und geführt werden konnte.

So erlebte sie noch während der Zeit in ihrem Alten- und Pflegeheim der Barmherzigen Schwestern, wo sie sehr liebevoll aufgenommen wurde, wie sich die Stiftung weiter ganz in ihrem Sinne entwickelte. Der Stiftungsrat wird auch in Zukunft die Menschen unterstützen, die finanzielle Hilfe brauchen und auch zunehmend Institution und Forschungsarbeiten fördern, die Projekte entwickeln, für die sonst wenig Geld oder Aufmerksamkeit vorhanden ist, z.B. für die Kinder psychisch erkrankter Menschen.

Frau Anni Gruber ist am 01.01.2022 friedlich entschlafen und wurde in aller Stille beigesetzt.

Ganz wie sie es in ihrer bescheidenen Art gewollt hatte.

Sie wird durch ihre guten Taten unvergessen sein und viele Menschen werden sich ihrer in tiefer Dankbarkeit erinnern.

Ihr zu Ehren, wurde die Gruber-Stiftung in Anni Gruber Stiftung umbenannt.

Der Stiftungsrat verneigt sich vor der Lebensleistung von Anni Gruber fühlt sich durch ihr Vorbild verpflichtet, in ihrem Sinne weiter für die Belange von psychisch erkrankten Menschen und deren Angehörigen einzutreten.

München, im Februar 2022

Der Stiftungsrat der Anni Gruber Stiftung

Bertram Sellner (Vorsitzender)
Dr. Helene Laxhuber (stellv. Vorsitzende)
Angelika Herrmann
Konstantin Seliverstov
Markus Spitzweg
Detlef Schamberger
Martin Wolf (Stiftung Büro)

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Anfänge der Stiftung

unsere Stiftungsgründer, das Ehepaar Anni und Josef Gruber, waren Eigentümer eines Grundstücks an der Josephsburgstraße Ecke Else-Rosenfeld-Straße in München. Für diese Fläche war damals kein Baurecht ausgewiesen.

Die Landeshauptstadt München beabsichtigte aber, um diesen Ortsteil von Berg am Laim städteplanerisch weiter zu entwickeln, ein Baurecht zu schaffen.

Da der Zuschnitt des Grundstücks Gruber und auch der angrenzenden Grundstücke dies nicht zuließ, war eine neue Bodenordnung erforderlich.

Die Stadt leitete deshalb für das Gebiet ein „Amtliches Umlegungsverfahren“ ein.

Dieses komplizierte Verfahren ist mit tiefen Eingriffen in die Eigentums-und Besitzverhältnisse verbunden und führt oft zu Interessensgegensätzen und Konflikten, denn meist ist eine Vielzahl von Grundstückseigentümer mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen, finanziellen Mitteln und persönlichen Zielen beteiligt. Hauptkonflikt ist dabei naturgemäß die Bewertung der jeweiligen Grundstücke.

Ein solch komplexes Verfahren kann erfolgreich und in einem überschaubaren Zeitraum nur dann durchgeführt werden, wenn alle Beteiligten guten Willens sind und das Ganze in die Hände von Fachleuten gelegt wird, die über den nötigen juristischen, technischen und wirtschaftlichen Sachverstand verfügen.

Familie Gruber war grundsätzlich bereit, das Verfahren für ihr Grundstück konstruktiv zu begleiten. Die Eltern Gruber sahen darin auch eine Chance, ihren Sohn mit einer für ihn interessanten Aufgabe zu befassen, nicht zuletzt im Hinblick auf ein beachtliches Erbe, das für ihn zu erwarten war.

Seit mehreren Jahren belastete jedoch eine depressive Veranlagung des Sohnes die Familie und Frau Gruber hatte sich deshalb in einer ‚Arbeitsgruppe für Angehörige psychisch Kranker‘ engagiert. Sie hoffte durch die Einbindung des Sohnes in das Umlegungsverfahren auf eine Besserung seines Leidens. Sein seelischer Zustand verschlechterte sich aber zusehends und er beging Selbstmord. Für die Eltern ein furchtbarer Schicksalsschlag, der aber letztendlich zur Gründung der Stiftung führte.

Frau Gruber suchte nun wegen der monatelangen ergebnislosen Verhandlungen bei einem für dieses Gebiet zuständigen Stadtrat Hilfe und Rat. Dieser Stadtrat stellte den Kontakt zu einem ihm bekannten kompetenten Projektentwickler her, der in Perlach bereits mehrere Umlegungsverfahren mit der Landeshauptstadt zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht hatte. Es war der Anfang einer fruchtbaren bis heute dauernden Zusammenarbeit.

Das „Amtliche Umlegungsverfahren“ konnte in kurzer Zeit abgeschlossen werden und Frau Gruber erhielt ein baureifes Grundstück zugeteilt. Sie beabsichtigte das Grundstück zu veräußern und den Erlös in die von den Eltern Gruber inzwischen gegründete Stiftung einzubringen, deren Zweck „Die Hilfe für psychisch Kranke und psychisch Behinderte und ihrer unmittelbar betroffenen Angehörigen im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens und der freien Wohlfahrtspflege“ war – die heutige Anni Gruber Stiftung.

Auf Anregung des Projektentwicklers sah Familie Gruber jedoch von einer Veräußerung des unbebauten Grundstücks ab und stellte den Antrag auf Förderung einer Baumaßnahme mit einem öffentlichen Baudarlehen für ca. 60 Wohnungen.

Der dahinterstehende kluge Gedanke war, einerseits nachhaltige Sachwerte und eine verlässliche Rendite durch Mieteinnahmen für den Stiftungszweck zu schaffen, andererseits der Zielgruppe der Stiftung, nämlich psychisch belasteten Menschen, Wohnraum bieten zu können.

Am 17.8.1994 wurde ein Baudarlehen für die Errichtung öffentlich geförderter Wohnungen bewilligt. Am 3.6.1996 wurde der Bauantrag genehmigt.
Nach Abschluss der Baumaßnahme wurden in einem feierlichen Akt im Jahr 1998 fünfzehn Wohnungen an Soziale Dienste Oberbayern übergeben und die restlichen Wohnungen an Familien, die einen Berechtigungsschein hatten, vermietet.

Ein – auch gerade aus heutiger Sicht – innovatives Wohnprojekt, das Inklusion ermöglicht, war entstanden. Es dient gleichzeitig einem Hauptanliegen der Stiftung, nämlich psychisch Kranke und ihren Angehörigen zu helfen. Die Suche nach geeignetem Wohnraum ist und bleibt ein zentrales Problem für psychisch Kranke und die sie begleitenden Menschen, ist aber Voraussetzung für einen gelingenden Weg zurück in den Lebensalltag.

Die Wohnblöcke werden bis heute von der Stiftung verwaltet, die erzielten Mieteinnahmen stehen dem Stiftungszweck zur Verfügung und ermöglichen es, die Idee von Anni Gruber zu verwirklichen: Menschen in psychischer Not zu helfen.

Die Jahresrückblicke der Anni Gruber Stiftung

Jahresrückblick (Jahr 2019)

Jahresrückblick (Jahr 2018)